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Dienstag, 6. März 2012

Machata: "Habe für die WM noch was in petto"

"Ich hatte eine selbst gebaute Bahn und habe stundenlang ausprobiert, wie ich die Bobs schneller machen kann", sagt der 27-Jährige der Nachrichtenagentur dapd. Heute, 22 Jahre später macht Machata dasselbe in seiner Garage. Ein heiliger Ort nahe seinem Wohnhaus, in dem die letzten Hunderstel-Sekunden ertüftelt werden - auch für die WM, die am Donnerstag in Lake Placid beginnt.

"Ja, ich habe noch etwas in petto", sagt Machata mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Nach der erfolgreichen Generalprobe mit einem Sieg (Vierer) und einem zweiten Platz (Zweier) beim Weltcup-Finale in Calgary dürfte die Konkurrenz nun noch mehr gewarnt sein.

Machata betreibt ein Psychospielchen, wie es im Bobsport vor den Saisonhöhepunkten üblich ist. Seine Nationalität allein lehrt seine Rivalen aber, dass die "Drohung" durchaus ernst zu nehmen ist: Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) ist bekannt für Technik auf dem neusten Stand.

"Wir stehen im Ländervergleich gut da", sagte Bundestrainer Christoph Langen im dapd-Gespräch. Mit Blick auf die Olympischen Spiele in Sotschi müsse man neben den Dauerrivalen aus den USA aber nun vor allem Gastgeber Russland auf der Rechnung haben. Langens Ansage an die technischen Partner der deutschen Mannschaft ist daher unmissverständlich: "Bis Sotschi brauchen wir eine Rakete."

Die schönste Seite des Winters

Norbert Grün arbeitet intensiv an dieser Kreatur. Beim Technologie-Partner (BMW) des BSD ist der 57-Jährige verantwortlich für die maximale Effizienz der Schlitten. "Wenn man den Luftwiderstand um zehn Prozent verringert, reduzieren sich die Laufzeiten auf einer Bahn wie am Königssee im Viererbob um 0,15 Sekunden", erklärt Grün - im Bobsport eine Welt.

Grün tüftelt fast täglich, mindestens 15 Prozent seiner Arbeitszeit gehen bei den aufwendigen Aerodynamik-Simulationen im Windkanal drauf. In zahlreichen Gesprächen mit Langen werden die Überlegungen abgeglichen und Resultate besprochen. Das erste Ergebnis: "Zehn Prozent sind wohl kaum zu knacken, aber fünf bis sieben traue ich mir zu", sagt Grün.

Spionage ist Grün bei seinem Auftrag fremd. "Die anderen Nationen versuchen Ähnliches wie wir, aber ich will nicht abschauen, sondern meine eigenen Ideen umsetzen", sagt er. Ist der promovierte Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik als Zuschauer auf einem Weltcup, sieht er selten Dinge, die er nicht schon kannte. Angesichts des extrem restriktiven Reglements geht es um Nuancen an der Form der Bobs.

"Man findet nicht viel, aber gerade das ist der Reiz", sagt Grün. Im Vordergrund stehe bei seinem Engagement bis Sotschi aber vor allem das Taktieren. "Manche Sachen müssen wir aufsparen. Ist erst mal etwas auf dem Markt, werden die Regeln geändert oder aber die anderen haben es auch ganz schnell."

Ähnlich geht es den Technikern vom Institut für Forschung- und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin (FES). Das vom Bundesinnenministerium geförderte Unternehmen baut in jedem Olympia-Zyklus Schlitten nur für die deutschen Medaillenhoffnungen.

Derzeit fahren Machata und Co. noch in den Bobs, mit denen sie auch in Vancouver am Start waren. Ab kommender Saison aber fahren sie Tests auf neuen Schlitten, neuen Kufensätzen und neuen Fräsungen. "Die ersten Bobs sind vielversprechend ", sagt Langen.

Der 49-Jährige war einst genauso Tüftler wie seine Athleten heute. "Ich lasse ihnen deshalb auch freie Hand. Sie müssen wissen, was für sie gut ist", sagt er.

Machata weiß das - meistens. "Natürlich ist auch schon mal was dabei gewesen, was gar nicht ging", gibt er zu. Diesmal aber ist er sich sicher.


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